Donnerstag, 4. September 2008

Vitamin D schützt vor Krebs

Vitamin D schützt vor Krebs,

nicht nur vor Rachitis und Osteoporose, wie zahlreiche neuere Forschungsarbeiten zeigen. Zu diesem Thema wurde nun am Donnerstag und Freitag (3. und 4. Mai) in Homburg/Saar ein internationales Symposium abgehalten. Auf Einladung der Privatdozenten Dr. Jörg Reichrath (Hautklinik) und Dr. Michael Friedrich (Frauenklinik) und der jeweiligen Klinikdirektoren Prof. Dr. Wolfgang Tilgen (Hautklinik) und Prof. Dr. Werner Schmidt (Frauenklinik) berichteten die führenden Experten aus aller Welt über ihre neuesten Untersuchungsergebnisse zur Rolle von Vitamin D-Analoga bei der Prävention und Therapie von Krebserkrankungen.


Zu den neuen Erkenntnissen über die bislang völlig unterschätzte Bedeutung von Vitamin D konnten die Homburger Wissenschaftler Reichrath und Friedrich maßgeblich beitragen. Nachfolgend vermitteln sie einen Überblick über den gegenwärtigen Erkenntnis-Stand, wie er sich nach dem von ihnen organisierten Ersten Internationalen Symposium "Vitamin D Analogs in Cancer Prevention and Therapy" der Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg darstellt.


Vitamin D, klassische Wirkung sowie Bedeutung Chancen und Perspektiven für die Gesundheitsprophylaxe
Vitamin D, allgemein bekannt als das "Sonnenschein-Vitamin", ist kein Vitamin im eigentlichen Sinn, sondern ein Hormon. Der Begriff Vitamin wurde ihm fälschlicherweise zugeordnet, nachdem man schon sehr früh feststellte, dass diese im Lebertran enthaltene Substanz bei Kindern Rachitis verhindern bzw. heilen kann. Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet und in seiner Häufigkeit, aber auch in seiner Konsequenz für die Gesundheit bislang unterschätzt.

Ein schwerer Vitamin-D-Mangel besteht häufig im Winter. Wichtigste Ursache hierfür ist die in unseren Breiten relativ geringe UV-Strahlung, so dass zwischen Oktober und März oft zu wenig Vitamin D in der Haut gebildet wird. Im Frühling und Sommer wird wegen der Gefahr von Hautkrebs der direkte Kontakt mit der Sonne häufig gemieden - ein echtes Dilemma, denn bis zu 90% des benötigten Vitamin D wird in der Haut mit Hilfe der Sonne gebildet. Auch das in Sonnenstudios verwendete UV-A Licht führt nicht zur Vitamin D Bildung in der Haut. Die Möglichkeit, Vitamin-D über Nahrungsmittel aufzunehmen, ist sehr begrenzt: Neben Lebertran ist Vitamin D nur in wenigen weiteren Nahrungsmitteln wie beispielsweise im Fleisch einiger Fischarten (z.B. Lachs und Makrele) enthalten. Es bleibt daher vielfach nur die pharmakologische Substitution.
Risikogruppen
Betroffen vom Vitamin D - Mangel können generell alle Bevölkerungsgruppen sein. Einem besonderen Gesundheitsrisiko sind aber vor allem ältere Menschen ausgesetzt und Menschen mit stärkerer Hautpigmentierung. In beiden Gruppen ist die Fähigkeit zur Vitamin D - Produktion in der Haut relativ gering. Auch Säuglinge und Kleinkinder sind einem erheblichen Risiko ausgesetzt. Diese Problematik scheint sich vor allem in Bevölkerungsgruppen mit dunklerer Hautfarbe zu verschärfen. Leiden stillende Mütter an schwerem Vitamin-D-Mangel sind in der Muttermilch keine adäquaten Mengen an Vitamin D vorhanden. Fettleibige Menschen leiden häufig ebenfalls unter Vitamin-D-Mangel und in Konsequenz an sekundärem Hyperparathyreoidismus (Überaktivität der Nebenschilddrüse) und Osteomalazie (Minerali-sationsdefekt im Knochen). Der Grund hierfür liegt im hohen Gehalt an Körperfett, das Vitamin D, ein fettlösliches Hormon, sehr effizient bindet und dadurch aus dem Blut entfernt.


Vitamin D schützt vor Krebs
Neuere Ergebnisse zeigen, dass die biologisch aktive Form des Vitamin D, das 1,25-Dihydroxyvitamin D, nicht nur in der Niere gebildet wird, sondern auch in einer ganzen Reihe verschiedener Gewebe. In diesen Geweben reguliert 1,25-Dihydroxyvitamin D über die Bindung an spezifische Zellkernrezeptoren lokal über autokrine/parakrine Mechanismen das Zellwachstum. Einerseits wird so die Zellproliferation gehemmt, andererseits die Zellreifung induziert. Neuere Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, dass diese Mechanismen in zahlreichen Geweben einer Krebsentstehung vorbeugen. Eine ganze Reihe von Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Dickdarm-, Prostata- und Brustkrebs: Diese Krebsarten treten signifikant häufiger auf in höheren Breitengraden, also dort, wo aufgrund einer geringeren Sonneneinstrahlung auch weniger Vitamin D in der Haut gebildet wird. Zusätzlich zeigen Studien, dass bei einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung (d.h. der Hauptmetabolit 25-Hydroxyvitamin-D hat eine Blutkonzentration von > 20 ng/mL) das Risiko für unterschiedliche Krebsarten (u.a. Dickdarmkrebs) deutlich reduziert ist.Die Tatsache, dass die meisten Körpergewebe nicht nur 1,25-Dihydroxyvitamin D über eigene Rezeptoren erkennen, sondern auch über die enzymatische Kapazität verfügen es zu bilden (aus 25-Hydroxyvitamin-D), lässt den Schluss zu, dass Vitamin D ein zentrales Hormon mit schützender Wirkung auch bei anderen Krankheiten ist. So zeigen Studien eine Bedeutung des Vitamin-D-Mangel in Zusammenhang mit Typ I Diabetes, Multipler Sklerose sowie Rheumatischer Arthritis. Diskutiert wird hierbei eine zentrale Bedeutung von 1,25-Dihydroxyvitamin D für das Immunsystem.
Die schützende Rolle von Vitamin D spielt darüber hinaus in zahlreichen Geweben eine wesentliche Rolle zur Vorbeugung gegen Alterungsvorgänge, auch in der Haut gegen UV-bedingte Schädigungen. Somit stellen Vitamin D Analoga aussichtsreiche Substanzen für einen Einsatz in der "Anti-Aging Therapie" dar.
Vitamin-D-Mangel und seine weitreichenden Folgen
Neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Vitamin-D-Forschung zeigen die Bedeutung einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung für die Gesundheit auf. Chronischer Vitamin-D-Mangel führt im Knochen zu einem Mineralisationsdefekt: Rachitis bei Kindern, Osteomalazie - auch Rachitis der Erwachsenen genannt - und Osteoporose (Verlust an Knochenmasse) bei Frauen und Männern sind die Konsequenzen. Die Häufigkeit der Osteoporose hat in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Untersuchungen zeigen, dass 50% aller Frauen, aber auch 12% aller Männer im Laufe ihres Lebens eine osteoporotische Fraktur erleiden. In der Prophylaxe und Behandlung der Osteoporose zeigt sich immer wieder, dass die Zusammenhänge zwischen Osteoporose und Vitamin-D- Mangel nicht ausreichend bekannt sind. Häufig wird in diesem Zusammenhang nur auf eine verbesserte Calcium Versorgung geachtet. Dabei wird vergessen, dass eine optimale Calcium Resorption im Darm nur bei ausreichender Vitamin-D- Versorgung stattfinden kann. Im Zusammenhang mit Vitamin-D-Mangel werden häufig eine Schwächung der Muskulatur sowie Muskelschmerzen diagnostiziert. In Studien mit Vitamin-D-Substitution bei älteren Menschen konnte gezeigt werden, dass durch eine adäquate Vitamin-D-Versorgung eine Erhöhung des Muskelspannung erzielt wurde. Kürzlich wurde ebenfalls nachgewiesen, dass Vitamin-D-Analoga erhöhte Blut-druckwerte absenken können.
Vitamin-D-Status: Wie viel Vitamin D braucht der Mensch?
Vitamin-D-Mangel kann durch die Messung von 25-Hydroxyvitamin D im Blut erfasst werden. Die Normbereiche werden in der Literatur mit ca. 10-60 ng/mL angegeben. Werte unter 10 ng/mL müssen als schwerer Vitamin-D-Mangel eingestuft werden. Neuere Studien zeigen allerdings, dass bereits bei Werten zwischen 10 und 20 ng/mL von einem Vitamin-D-Mangel gesprochen werden muss, da in diesen Fällen sich häufig eine Überaktivität der Nebenschilddrüse bemerkbar macht. Für 25-Hydroxyvitamin D sollte im Hinblick auf die Knochengesundheit 20 ng/mL als Mindestwert angesehen werden. Zur Vorbeugung von Krebs wird jetzt von verschiedenen Experten sogar ein Mindestwert von 25-30 ng/mL empfohlen. Auch ein Einsatz von Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Milch) erscheint durchaus sinnvoll. Dazu fehlen in Deutschland zur Zeit allerdings die rechtlichen Voraussetzungen. Erfolgt eine medikamentöse Vitamin D - Substitution sollte generell ein Zielbereich von 25-45 ng/mL angestrebt werden. Hierbei wird eine zweimalige Kontrollmessung pro Jahr empfohlen.
Ausblick - Perspektiven eines pharmakologischen Einsatzes von Vitamin D
Vitamin-D-Analoga werden aufgrund ihrer Wachstums-hemmenden Wirkung in der Dermatologie seit vielen Jahren mit gutem Erfolg zur äußerlichen Behandlung vieler Erkrankungen wie der Schuppenflechte eingesetzt. Bislang war eine innerliche Behandlung (z.B. Tablettengabe) dieser Pharmaka jedoch wegen des Auftretens von Nebenwirkungen (insbesondere auf den Kalziumstoffwechsel) nur sehr eingeschränkt möglich. Neuere Forschungsergebnisse haben jetzt jedoch zur Entwicklung neuer Vitamin-D-Analoga mit deutlich günstigerem Wirkungs/Nebenwirkungsprofil geführt. Erste klinische Untersuchungsergebnisse belegen vielversprechende Perspektiven für einen therapeutischen Einsatz dieser Pharmaka bei zahlreichen Krebsarten.


Literatur: M.F. Holick: Vitamin D: The Underappreciated D-lightful Hormone that is Important for Skeletal and Cellular Health. Current Opinion in Endocrinology and Diabetes 2002, 9 (1), 87-98. J. Reichrath: Will Analogs of 1,25-Dihydroxyvitamin D (Calcitriol) Open a New Era in Can-cer Therapy? Onkologie 2001, 24, 128-133.M. Friedrich: Vitamin D and Breast Cancer: New Approaches for Hormonal Therapy of Breast Cancer. Editorial Article. Clin Exp Obstet Gyn 2000; 27(2): 77-82.
Kontakt:Priv. Doz. Dr. med. Jörg Reichrath, Tel. 06841/162-23819, E-Mail: hajrei@krzsun.med-rz.uni-saarland.de
Dr. Manfred Leber Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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Mittwoch, 30. Juli 2008

Schlanke überleben Brustkrebs

Schlanke überleben Brustkrebs
Medical Tribune Bericht
HOUSTON – Das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, ist für fettleibige Frauen besonders hoch. Außerdem droht ihnen viel eher ein Rückfall. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle amerikanische Studie.
Shaheenah Dawood und ihre Kollegen untersuchten rund 600 Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs und teilten sie in norm-, übergewichtig und fettleibig ein (BMI-Grenzen 25 bzw. 30), berichten sie im Fachmagazin Clinical Cancer Research (2008; 14: 1718 – 1725). Nach fünf Jahren lebten noch knapp 57 Prozent der Frauen mit einem Body-Mass-Index über 25 gegenüber rund zwei Dritteln in der normgewichtigen Gruppe. Die 10-Jahres-Überlebensrate betrug in den beiden korpulenten Kollektiven etwa 42 Prozent, bei den Schlanken erreichten hingegen knapp 57 Prozent der Patientinnen dieses Ziel. Das Rückfallrisiko stieg ebenfalls mit den überzähligen Kilos (nach fünf Jahren überlebten 50,8 Prozent der Schlanken, bei den Übergewichtigen dagegen nur 38,5 Prozent. Dieser Trend hielt auch nach zehn Jahren noch an. Die Ergebnisse sind nicht nur für den Lebensstil der Frauen, sondern auch für die Therapie von Bedeutung, so die Studienautoren. Denn auch einige Medikamente können eine Gewichtszunahme bewirken.


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Kerniges Asthma


Kerniges Asthma
Nussverzehr der Schwangeren erhöhte Asthma-Risiko der Kinder
UTRECHT – Täglicher Verzehr von Nüssen und Nussprodukten während der Schwangerschaft kann Asthma bei den Sprösslingen fördern. Das ergab eine niederländische Studie.
Nüsse kommen in vielen Varianten vor: Als Haselnüsse, Erdnüsse, Paranüsse und auch in vielen anderen Produkten wie beispielsweise der Erdnussbutter. Ob eine besondere Vorliebe für diese leckeren Nahrungsmittel während der Schwangerschaft auch auf die Kinder auswirkt – das untersuchten Saskia M. Willers von der Universität von Utrecht und ihre Kollegen. Der tägliche Verzehr der knackigen Naturprodukte während der Schwangerschaft erhöhte bei den Kindern das Risiko erhöhte, an Astma zu erkranken, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2008; 178: 123-131). Die Forscher ermittelten bei über 2800 Kindern und ihren Müttern per Fragebogen, wie häufig sie jeweils Gemüse, frische Früchte, Fisch, Eier, Milch und eben auch Nüsse sowie Nussprodukte aßen. Bei den Kindern erfragten die Wissenschaftler zusätzlich auch Beschwerden wie Asthma und allergische Symptome. Dabei bewiesen die Niederländer einen langen Atem – die Studie erstrechte sich insgesamt über einen Zeitraum von acht Jahren. Einen Zusammenhang zwischen den Essgewohnheiten der Mutter und späterem kindlichen Asthma konnten Willers und ihre Kollegen dabei nur bei einer Gruppe von Nahrungsmitteln feststellen – bei den Nüssen und Nussprodukten. Hier lag die Asthma-Rate der Kinder von nussbegeisterten Müttern um etwa die Hälfte über der Sprösslingen, deren Mütter während der Schwangerschaft fast keine Nüsse gegessen hatten. Die Wissenschaftler hatten in ihren Fragebögen nicht nach einzelnen Nusssorten, sondern nur Pauschal nach dem Verzehr von Nüssen und Nussprodukten gefragt, gehen aber davon aus, dass in den meisten Fällen Erdnuss-Butter verzehrt wurde. „Wir waren überrascht über diesen Zusammenhang von täglichem bzw. sehr geringem Verzehr von Nussprodukten während der Schwangerschaft und den Asthma-Symptomen bei Kindern, weil dies bei vorherigen vergleichbaren Studien nicht ermittelt wurde“, so Willers. Eine Ernährungs-Empfehlung für Schwangere wollen die Autoren aus ihren Ergebnissen jedoch nicht ableiten – zunächst sollten andere Studien diese Daten bestätigen, schreiben sie.

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Endometriose

Endometriose
Die Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Krankheiten der geschlechtsreifen Frau. Bei dieser Erkrankung treten kleine Bereiche von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutterhöhle wie beispielsweise in der Muskulatur der Gebärmutter, an den Eierstöcken, dem Bauchfell oder sogar der Lunge auf. Die Beschwerden sind vielfältig und hängen vom betroffenen Organ ab. Häufig suchen die betroffenen Frauen den Arzt wegen zunehmender Unterbauchschmerzen oder einem unerfüllten Kinderwunsch auf.
Die Endometrioseherde reagieren wie die normale Gebärmutterschleimhaut auf den hormonellen Einfluss von Östrogen und Progesteron. Dies bedeutet, dass sich auch die Endometrioseherde mit jedem neuen Monatszyklus periodisch verändern und zum Zeitpunkt der Menstruation bluten. Östrogene spielen bei der Endometriose eine entscheidende Rolle, da sie das Wachstum der Endometrioseherde stimulieren.
Die Häufigkeit in der weiblichen Bevölkerung Deutschlands kann lediglich grob geschätzt werden, da die Endometriose teilweise ohne Beschwerden verläuft und meist nur durch aufwändige Verfahren diagnostiziert werden kann. Vermutlich sind zwischen sieben und 15 Prozent der Frauen im geschlechtsreifen Alter betroffen. Liegt eine Unfruchtbarkeit vor, steigt die Häufigkeit auf bis zu 60 Prozent. Die Diagnose wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt und spiegelt keineswegs den Beginn der Erkrankung wieder. Dieser kann bereits Jahre zurückliegen.
Wie wird Endometriose verursacht?
Die genauen Ursachen der Endometriose sind bisher ungeklärt. Zur Entstehung der Endometriose existieren aber mehrere Theorien:Ausbreitungstheorien:
Während der Menstruation gelangt bei fast allen Frauen ein Teil des Bluts über die Eileiter in den Bauchraum (retrograde Menstruation). Dieses Blut enthält Bestandteile der Gebärmutterschleimhaut, die so genannten endometrialen Zellen, welche in der Lage sind, sich im Bereich des Bauchfells anzusiedeln und zu einem Endometrioseherd heranzuwachsen. Außerdem scheinen die Zellen direkt in andere Gewebe einzudringen, so zum Beispiel in die Muskulatur der Gebärmutter. Eine weitere Möglichkeit der Ausbreitung von endometrialen Zellen bieten die Lymphwege und Blutbahnen. Untermauert wird diese These durch das Vorkommen von Endometrioseherden in Organen fernab der Gebärmutter, wie beispielsweise der Lunge.Metaplasietheorie:
Nach der Metaplasietheorie findet eine Umwandlung von Gewebe in endometriales Gewebe (Metaplasie) statt. Möglicher Auslöser hierfür könnte eine chronische Reizung beispielsweise aufgrund einer Infektion sein. Immunologische Theorie und genetische Faktoren:
Normalerweise erkennt unser Immunsystem in den Bauchraum gelangte endometriale Zellen als ortsfremdes Gewebe und transportiert es ab. Nimmt das Immunsystem diese Aufgabe nicht wahr, können sich die Zellen ansiedeln und Endometrioseherde ausbilden. Zudem wurde eine familiäre Häufung der Endometriose beobachtet. Verwandte ersten Grades einer betroffenen Frau erkranken mit einer höheren Wahrscheinlichkeit.
Was sind die Symptome einer Endometriose-Erkrankung?
Eine Endometriose tritt in bis zu 50 Prozent der Fälle ohne Symptome auf. Ein Zusammenhang zwischen der Intensität der Beschwerden und dem Schweregrad der Endometriose besteht nicht.
Typischerweise klagen betroffene Frauen über periodisch auftretende oder andauernde Unterbauchschmerzen sowie eine schmerzhafte Regelblutung (sekundäre Dysmenorrhö). Die Schmerzen können in den Rücken ausstrahlen. Einige Frauen verspüren auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Anderen wiederum fällt eine verlängerte oder verstärkte Regelblutung auf. Auch Schmierblutungen sind möglich. Nicht zuletzt kann sich hinter einem unerfüllten Kinderwunsch eine Endometriose verbergen.
Da die Endometrioseherde nicht nur im Bereich der Geschlechtsorgane anzutreffen sind, können, abhängig vom betroffenen Organ, weitere Symptome auftreten:
Darm Eine Darm-Endometriose macht sich durch einen schmerzhaften Stuhldrang, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen bemerkbar. In manchen Fällen tritt auch Blut im Stuhl auf.
Harnblase Bei einer Harnblasen-Endometriose können periodisch Schmerzen beim Wasserlassen auftreten. Ebenso kann es zu Blutbeimengungen im Urin kommen.
Harnleiter Eine Endometriose in diesem Bereich kann die Harnleiter komplett verschließen. Da die Harnleiter die Harnblase mit den Nieren verbinden, wird durch einen Verschluss der Harn bis in die Nieren zurück gestaut.
Lunge Die Lunge ist sehr selten von einer Endometriose betroffen. Haben die Endometrioseherde Kontakt zu den Bronchien, kann es zu periodisch auftretendem Reizhusten und blutigem Auswurf kommen.
Eine Unfruchtbarkeit (Sterilität), die sich häufig im Verlauf einer Endometriose entwickelt, kann vielfältige Ursachen haben. Endometrioseherde lösen immer eine Entzündung in ihrer Umgebung aus. Die Entzündungen beeinträchtigen direkt und indirekt über entstehende Verwachsungen und Vernarbungen die Fruchtbarkeit einer Frau. Verwachsungen können beispielsweise den Eileiter komplett verschließen.
Wie wird Endometriose diagnostiziert?
Erster Schritt der Diagnose einer Endometriose ist eine ausführliche Befragung zur Krankheitsgeschichte und zu den auftretenden Beschwerden (Anamnese). Anschließend folgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der tastbare oder sichtbare Knötchen Hinweise auf eine Endometriose liefern können.
Um die Diagnose bestätigen zu können, wird eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt, bei der Proben (Biopsie) aus den Gewebeveränderungen entnommen und im Labor untersucht werden. Bei einem Verdacht auf eine Darm- oder Blasenendometriose kommen eine Darm- oder Blasenspiegelung zum Einsatz.
Um vor einer Operation die genaue Lokalisation und Größe der Gewebeveränderungen bestimmen zu können, können bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung, seltener eine Computer- (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden.
Therapie: Chirurgische und medikamentöse Therapie, sowie kombinierte Therapieansätze
Die Therapie der Endometriose kann chirurgisch oder medikamentös erfolgen. Häufig werden beide Therapieansätze kombiniert. Eine Heilung ist wegen der unzureichenden Kenntnisse über die Entstehung bis heute allerdings nicht möglich.
Chirurgische Therapie
Eine Operation ist die effektivste Methode, um die Endometrioseherde zu beseitigen. In den meisten Fällen werden diese über eine Bauchspiegelung, seltener einen Bauchschnitt, entfernt. Je nach Lage der Herde können sie auch über die Vagina beseitigt werden. Die operativen Möglichkeiten sind vielfältig und abhängig vom Ausmaß der Erkrankung, vom Alter der betroffenen Frau sowie einem möglicherweise bestehenden Kinderwunsch. Bei bisher nicht abgeschlossener Familienplanung ist das Ziel der Therapie, die Fruchtbarkeit zu verbessern. Es werden so viele Endometrioseherde wie möglich entfernt und bestehende Verwachsungen gelöst. Die Organe und ihre Funktionen werden erhalten. Ist das hauptsächliche Ziel die Schmerzlinderung bei bereits abgeschlossener Familienplanung, werden nach Möglichkeit alle Endometrioseherde entfernt. Unter Umständen kann dabei sogar ein komplettes Organ, wie beispielsweise die Gebärmutter, entfernt werden.
Medikamentöse Therapie
Die Endometrioseherde wachsen wie die Gebärmutterschleimhaut unter dem Einfluss von Östrogenen. Hemmt man die Östrogenproduktion im Körper, raubt man den Endometrioseherden den Wachstumsreiz. Dieses Ziel verfolgen Hormontherapien mit Gestagenen, Östrogen-Gestagen-Kombinationen, Danazol oder GnRH-Analoga.
Gemeinsam ist allen Hormontherapien, dass sie die hormonelle Aktivität der Eierstöcken unterdrücken. Sie stellen demnach einen Zustand her, der mit den Wechseljahren vergleichbar ist. Der Östrogenspiegel sinkt, sodass sich die Endometrioseherde im Idealfall zurückbilden oder in ihrem Wachstum gehemmt werden.
Zusätzlich werden schmerzlindernde Medikamente im Verlauf einer Endometriose eingesetzt.
Kombinierte Therapieansätze
Neben einer einzeln durchgeführten Hormontherapie kann diese auch vor oder im Anschluss an eine Operation sinnvoll sein. Eine Vorbehandlung erleichtert unter Umständen die Operation und verbessert den Operationserfolg. Die Nachbehandlung soll vor allem das Wachstum neuer oder zurückgebliebener Herde hinauszögern.
Wie verläuft eine Endometriose-Erkrankung?
Im Verlauf der Endometriose können sich, wenn das Blut aus den Endometrioseherden nicht abfließen kann, Zysten bilden. Wegen ihres bräunlichen Inhalts bezeichnet man diese auch als Schokoladenzysten. Häufig entstehen diese Zysten an den Eierstöcken.
Während der Geschlechtsreife schreitet das Wachstum der Endometrioseherde meist stetig voran. Sowohl chirurgische als auch medikamentöse Therapieansätze bieten bisher nur eine zeitlich begrenzte Lösung. Innerhalb von fünf Jahren bilden sich bei der Hälfte der betroffenen Frauen neue Endometrioseherde aus. Ein natürlicher Stillstand des Krankheitsbilds tritt mit den Wechseljahren ein, da zu diesem Zeitpunkt die Funktion der Eierstöcke nachlässt. Einen vergleichbaren Effekt würde man mit der Entfernung der Eierstöcke erzielen.
In bis zu einem Prozent kann die ursprünglich gutartige Endometriose entarten. Meist betrifft dieses die Eierstöcke.


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